Im Sommer, wenn es lange heiß draußen ist, sind sie gehäuft da, die kleinen flinken gelben Flieger, vor denen sich die meisten Menschen fürchten - WESPEN.
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Sie sind überall dort anzutreffen, wo es Süßes oder Wurst und Gegrilltes gibt; im Café, beim Bäcker, im Garten oder auf dem Balkon. Meist sieht man auch hektisch wedelnde Menschen, mit den Händen um sich schlagend und wegrennend.
Aber sind die Wespen wirklich so gefährlich wie ihr Ruf?
Diese Frage kann eindeutig mit "nein" beantwortet werden. Wespen tun das, was auch wir Menschen machen. Sie kümmern sich um ihren Nachwuchs, schaffen Futter herbei und sind dabei von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang voll beschäftigt.
Sieht man sich einmal so ein kleines Tier genauer an, ist dsa Auffallendste ihre sprichwörtliche Wespentaille. Diese hauchdünne Verbindung zwischen Brust und Hinterleib ist gleichzeitig Kanal für den Verdauungstrakt, die Ganglien (gewissermaßen die Nervenbahnen bei Insekten) und das Herz. Das Herz ist bei Wespen ein dicker Schlauch, der den ganzen Körper durchzieht und für die Versorgung der Organe und Gewebe mit Körperflüssigkeit und Sauerstoff verantwortlich ist.
Das, wovor wir Menschen Angst haben, ist der Stachel. Der kann schon ziemlich weh tun, wenn er einmal benutzt wird. Im Gegensatz zu Bienen bleibt er aber nicht in der Haut stecken. Dadurch kann eine Wespe, gleiches gilt für Hornissen, mehrmals stechen.

Die Nahrung erwachsener Wespen besteht hauptsächlich aus Nektar, Pollen, Steinfrüchten, Pflanzensäften, tierischen Stoffen sowie anderen Insekten. Die Larven werden mit Fleisch von sowohl toten wie erbeuteten Tieren gefüttert.
Das ist es auch, was Wespen entgegen ihres schlechten Rufes, zu sehr nützlichen Tieren macht.
Zum einen bestäuben sie Blüten, was angesichts der immer geringer werdenden Zahl an Insekten und Schmetterlingen hierzulande und dem akuten Bienensterben, eine sehr wichtige Aufgabe im Naturkreislauf ist.
Außerdem sind sie ein natürlicher Schädlingsbekämpfer, da sie bevorzugt Insekten und tote Tiere als Nahrung auf ihrem Speiseplan haben.
Fliegen, Bremsen, Blattläuse - kein Problem. Das erledigen die Wespen. Ein großes Wespenvolk vertilgt am Tag ca. 1/2 bis 2 kg Insekten.
Zudem sorgen sie im Wald für Ordnung, indem sie den Bestand an Forstschädlingen reduzieren und morsches Holz für ihre Nester verwerten.
Lediglich im Herbst brauchen sie mehr Kohlenhydrate in Form von Zucker, um die junge Königin zu ernähren. Auch die Arbeiterinnen, die sich bereits den ganzen Sommer um die Brut gekümmert haben, sind geschwächt und brauchen energiereiche Nahrung.
Und dennoch wird nur die Königin den Winter überleben, um nach der Winterstarre mit einem neuen Staat für den Erhalt de Art zu sorgen.

Wespen stehen unter NATURSCHUTZ. Das heißt, fangen, verletzten, töten oder ihre Nester zu zerstören, ist ein strafrechtliches Delikt.
Das zeigt auch eindeutig der Tierschutz-Bußgeldkatalog: https://tierschutz.bussgeldkatalog.org/wespe/

Doch was hat den Wespen nun ihren zu Unrecht schlechten Ruf eingebracht?
Das liegt einfach daran, dass sie relativ dicht und schnell unter Summen an Menschen heran fliegen. Leider wird dies vom Menschen in der Regel fehlgedeutet aus Angst vor Stichen und durch Herumwedeln oder -schlagen beantwortet.
Dabei läge hier in der Ruhe die Kraft.
Wespen sind von Natur aus kurzsichtig, d.h. sie sehen auf kurze Entfernung schlecht. Um zu erkennen, was sich da vor ihnen befindet, fliegen sie schnell und kreisend um das Objekt des Interesses herum. Sie wollen nichts weiter, als scharf sehen.
Wenn wir Menschen nun wild herumfuchteln, erzeugen wir Hektik, was die Wespen verständlicher Weise als Angriff deuten. Was liegt also näher, als zu stechen.
Und schon ist es passiert!! In Panik schlägt der Gestochene noch stärker um sich und erreicht das Gegenteil von dem, was er erreichen wollte.
Daher gilt, wenn Wespen in der Nähe sind, Ruhe bewahren, bei zu engem Kontakt mit langsamen Bewegungen die Tiere beiseite schieben oder den Ort ruhig verlassen.
Wie bei fast allen Tieren gilt auch hier, Angstschweiß erzeugt Angst beim Gegenüber und daraus erwächst in vielen Fällen Angriff.
Man sollte Wespen auch nicht anpusten, denn das in der Ausatemluft befindliche Kohlendioxid bedeutet für Wespen Alarm und damit Attacke.
Manche Parfüms oder Körperlotions können auch anziehend auf Wespen und Insekten im Allgemeinen wirken, ebenso wie bunte Kleidung.
Ansonsten sollte man natürlich Getränke abdecken, ebenso keine Speisen draußen lange stehen lassen. Zur Ablenkung kann man auch in entsprechender Entfernung vom Kaffeetisch eine Schale mit ein, zwei reifen Weintrauben aufstellen. diese werden dann von den Wespen bevorzugt. Nach Angaben der Deutschen Wildtierstiftung soll es auch hilfreich sein, nur Schokoladenkuchen zu essen, da Wespen wohl keine Schokolade mögen. Aber sicher sollte dieser Kuchen dann dennoch nicht zu süß sein!
Laut NABU sind Marmelde sowie Honig nicht geeignet, da diese Lebensmittel die Tiere eher aggressiv machen sollen. Ebenso die oft verwendeten Wespenfallen, meist mit Limonade oder Bier gefüllt, sind ungeeignet. Die Tiere fallen hinein und können sich nicht mehr befreien, sondern sterben langsam und qualvoll. Außerdem gehen nur alte Tiere in die Fallen, wodurch die aktiven jüngeren Tiere nicht dezimiert werden.

Aufpassen sollte man auf seine Haustiere. Katzen tatzen gerne mit schnellen Pfotenschlägen nach Wespen und auch unser Hund versucht immerzu nach ihnen mit dem Maul zu schnappen. Das kann die Wespen natürlich in Angriffsstimmung bringen und beim Vierbeiner zu einem Stich führen. Leider sollte man nicht davon ausgehen, dass ein einmaliges Sticherlebnis bereits zu einem Lerneffekt führt.

Wir haben derzeit auch ein Wespennest oberhalb unseres Balkons. Wir leben mit ihnen in guter Koexistenz. Wir tun ihnen nichts und sie uns nichts. Manchmal kommt es vor, dass sie doch zu neugierig sind und zum Frühstück vorbei kommen. Aber wir haben reichlich zu Essen, so dass wir ihnen auch ab und an auch etwas Schinken gönnen.